Tipps zu Tretlagern / Getrieben

Aus DDR-FahrradWiki
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Glockengetriebe demontieren und warten

Ein Glockentretlager zu demontieren ist eine der aufwendigsten Arbeiten, die ein Fahrrad bieten kann. Das Risiko, schwer zu beschaffende Fahrradteile zu beschädigen, ist im Vergleich zu anderen Arbeiten sehr hoch, weshalb ein Glockengetriebe nur geöffnet werden sollte, wenn dies unbedingt nötig ist.
Hinreichende Gründe können dabei ein übermäßiges Spiel des Lagers oder eine hörbare Verunreinigung der Kugellager sein, wenn das Fahrrad beispielsweise viel in sandiger Umgebung gefahren wurde.
Wenn die Lager einfach nur "trocken", das heißt ungeschmiert sind, empfiehlt es sich zunächst sogenanntes Getriebefließfett mit einer Spritze samt Kanüle über den Öler des Lagers zuzuführen, sofern ein solcher vorhanden ist.
Bringt das keine Verbesserung oder ist wegen des Fehlens eines Ölers nicht möglich, so kann das Innenlager nach folgender Anleitung zerlegt werden. Anschließend werden alle Lagerteile gründlich mit Petroleum gereinigt, getrocknet und in umgekehrter Reihenfolge mit reichlich Fett (Vorratsschmierung) wieder eingebaut.




Glockengetriebe montieren




Keilgetriebe demontieren

Die Demontage von Keilgetrieben wird teilweise aus anderen Gründen erforderlich als bei Glockengetrieben. Generell muss das Lager demontiert werden, wenn es abgeschmiert werden soll. Das Nachstellen des Lagerspiels kann jedoch anders als beim Glockengetriebe auch bei montierten Tretkurbeln erfolgen. Während Glockengetriebe stets eine feste Verbindung von Achswelle und Tretkurbel haben, kann es bei Keilgetrieben vorkommen, dass eine Demontage erforderlich wird, weil die Tretkurbel trotz angezogener Keilmutter nicht fest sitzt und die Kraft ungleichmäßig überträgt. Insbesondere bei Fahrrädern der 1970er/80er Jahre kommt das aufgrund mangelhafter Materialqualität häufiger vor. Mit etwas Glück ist lediglich der Keil deformiert. Andernfalls ist die Achsnut für den Keil beschädigt, sodass das Tretlager komplett zerlegt und die Achswelle getauscht werden muss.

Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren

Das Demontieren von Tretkurbeln mit Keilbefestigung ist anders als beim Glockengetriebe relativ leicht zu bewerkstelligen. Um Schäden am Material vorzubeugen empfiehlt es sich aber, so sorgsam vorzugehen, wie es im folgenden beschrieben ist:


Bei stark beanspruchten Fahrrädern mit minderwertigen Keilen kann es vorkommen, dass der Keil so stark deformiert wurde, dass ein Herausschlagen auch mit viel Kraft nicht möglich ist. In dem Fall bleibt nichts anderes übrig, als von einer Demontage abzusehen oder aber die Achse mitsamt der Tretkurbel mit einem Winkelschleifer zu durchtrennen, was aufgrund des festen Achsmaterials und der ungünstigen Platzverhältnisse herausfordernd werden kann.

BSA-Tretlager ausbauen und warten

Für den Ausbau eines BSA-Innenlagers müssen zunächst die Kurbeln demontiert werden, was in Punkt 3.1 beschrieben ist.




Thompson-Tretlager ausbauen und warten

Für den Ausbau eines Thompson-Innenlagers muss zunächst die linke Tretkurbel demontiert werden, was in Punkt 3.1 beschrieben ist.




Keilgetriebe montieren

Die Montage ergibt sich in logischer Folge aus der beschriebenen Demontage.

Keiltretlager-Fahrräder hatten ab 1974 generell Tretkurbeln mit einem breiteren Fuß. Offenbar sollte damit einem Verziehen der Tretkurbeln vorgebeugt werden, was bei der früheren schlanken Ausführung nicht selten vorkam. Die Folge ist, dass Tretkurbeln und Kettenblätter späterer Ausführung nicht mit älteren Achsen kompatibel sind. Wohl aber können Tretkurbeln von Fahrrädern mit Thomposon-Tretlager auch an Fahrräder mit BSA-Tretlager angebaut werden (oder umgekehrt), dahingehend bestehen hinsichtlich der Tretkurbeln keine Unterschiede.

Tretkurbeln mit Keilbefestigung montieren

Zur Montage wird die Kurbel auf die Welle geschoben und der Keil so eingesteckt, dass dessen gewindelose Seite bei in Fahrtrichtung stehender Pedale nach oben zeigt. Bei nicht verschlissenen Achsnuten und Verwendung von intakten Keilen aus DDR-Produktion fluchten die Tretkurbeln dabei in einer Linie. Andernfalls müssen andere Keile ausprobiert oder die Achswelle erneuert werden. Die Keile und Achsnuten sollten frei von Deformationen sein. Ob darauffolgend der Keil fest eingeschlagen oder nur mit Fingerkraft eingedrückt und anschließend mittels der Mutter festgezogen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. In jedem Fall ist die Mutter nach einer Probefahrt mit festem Antritt und ggf. kräftiger Betätigung des Rücktritts noch einmal nachzuziehen.

Als Keile sollten am besten die Originalkeile wiederverwendet oder alte Keile aus den 1950er/60er Jahren mit Muttern der SW 12 oder 11 auch an Fahrrädern jüngeren Datums verwendet werden. Diese sind wesentlich haltbarer. Vermutlich waren sie aus härterem Material gefertigt. Geradezu unbrauchbar sind verzinkte Keile aus Nachwende-Produktion. Siehe dazu auch Hier.

Sollte die Tretkurbel trotz Festziehens des Keils beim Treten wackeln oder die Kraft ungleichmäßig übertragen, kann - wenn passende Ersatzteile nicht greifbar sein sollten - durch Einlegen eines Stück weichen Blechs (Messing etc.) zwischen Keil und Achsnut die Tretkurbel notdürftig fixiert werden. Eine dauerhaft kraftschlüssige Verbindung lässt sich auf diese Weise erfahrungsgemäß jedoch nur selten erreichen.