Diamant Modell 35 156

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Einordnung in die Modellpalette

Scheinbar zeitgleich mit einer optischen Überarbeitung der Modellpalette erschienen 1964 bei Diamant die Modelle 35 156 (Damenausführung, 26") und 35 105 (Herrenausführung, 26") als Luxus-Ausführungen der Tourensporträder. Konstruktiv geht der hier beschriebene Typ weitgehend auf das Modell 35 154 zurück, die Ausstattung hingegen war verbessert worden. Während der 1960er Jahre wurde das Grundmodell häufiger produziert als die Luxus-Variante, doch im Laufe der 1970er Jahre wurde das hier beschriebene Modell dominierend - vermutlich aufgrund des Produktionsbeginns der Tourensporträder bei Mifa, die in einer weitgehend ähnlichen Ausstattung angeboten wurden wie das einfache Modell 35 154 von Diamant. Zumindest scheint der Anteil des Typs 35 156 an der Gesamtproduktion nach 1970 angestiegen zu sein. Eine Änderung der Rahmenform führte 1975 zu der neuen Typenbezeichnung Modell 35 160.

Rahmen und Ausstattung

Der Rahmen unterschied sich lediglich in einem Detail vom Grundmodell 35 154: Die Ausfallenden der Vorderradgabel verfügten über je zwei Ösen zur Befestigung des Schutzblechs, während Modell 35 154 hier nur je eine Öse besaß. Die übrigen konstruktiven Details des Rahmens entsprachen jenen des Typs 35 154. Das früheste bislang bekannte Exemplar stammt aus dem I. Quartal 1964 und besitzt bereits Anlötteile zur Befestigung des Dynamos und des Kettenschutzes.

Eine wesentliche Gebrauchswertsteigerung wurde durch die Verwendung einer Felgenbremse in Verbindung mit Felgen mit dafür optimierten Flanken erzielt. Zwar war die Bremswirkung aufgrund der verlängerten Bremsschenkel nicht so gut wie bei den Sporträdern, verglichen mit der Stempelbremse des Grundmodells 35 154 war dies dennoch eine wesentliche Verbesserung. Solche Felgenbremsen gab zwar schon seit Ende der 1950er Jahre von Alda, werksseitig gab es sie aber nur kurzzeitig am Mifa Modell 10 b.

Darüber hinaus hob sich Modell 35 156 durch einige Merkmale vom Grundmodell ab, die Komfort und Eleganz erhöhten. Ein großzügiger Bocklenker, den es nur an diesem Modell (und der Herrenausführung) gab, gestattete eine sehr komfortable, wenn auch nicht sehr sportliche Fahrweise. Neu und komfortabel waren auch die Lenkergriffe aus grauem Kunststoff mit ergonomischer Formgebung. Sie wurden ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre auch bei den übrigen Fahrradtypen eingesetzt. Für erleichterte Unterwegsreparaturen besaß Modell 35 156 analog zu den Sporträdern Flügelmuttern. Durch Verwendung von mehr Chrom und Aluminium sowie der Metallic-Lackierung wurde der Luxus-Charakter in Abgrenzung zum Grundmodell unterstrichen.

Anstatt lackierter Stahlschutzbleche besaß es polierte Aluminiumschutzbleche, die vorn verlängert und mit zusätzlicher Schutzblechstrebe versehen waren. Alle Schutzblechstreben verliefen außen (Überlaufstreben) und waren mit Klemmen aus Metall bzw. später aus Kunststoff befestigt. Diese Art der Befestigung erwies sich als weniger schadanfällig. Die Klemmen waren recht robust gefertigt, während die Klemmplättchen der üblichen Aluminium-Schutzblechstreben sehr bruchanfällig waren. Auch der Kettenschutz bestand zunächst aus Aluminium. Anders als die Herrenausführung hatte die Damenvariante einen Tourensattel sowie ein Kleidernetz. Dieses war anders als beim Grundmodell nicht gewirkt, sondern sportlich-einzelfädig.

Um 1970 kostete diese Ausführung 291,- Mark und war damit etwa 50 Mark teurer als das Grundmodell.
Die folgende Tabelle erlaubt eine Übersicht über die Unterschiede in den Ausstattungsdetails der Tourensporträder, wie sie zwischen 1964 und 1975 bestanden.

Ausstattungsdetail Modell 35 154 Modell 35 156
Lenker Flachlenker "Gesundheitslenker"
Vorderradbremse Stempelbremse mit Bowdenzug Felgenbremse
Achsmuttern Sechskantmuttern Flügelmuttern
Kettenschutz Stahl, lackiert Stahl, verchromt (bis 1965: Aluminium, blank)
Gepäckträger lackiert verchromt (bis 1965: lackiert)
Schutzbleche Stahl, lackiert Aluminium, poliert
Lackierung Uni-Lack Metallic-Lack
Kleidernetz klassisch sportlich

Änderungen während der Produktionszeit

Der Typ 35 156 wurde vor allem in den ersten drei Produktionsjahren mehrfach im Detail weiterentwickelt. So besitzen frühe Fahrräder noch einen Kettenschutz aus Aluminium. Bereits im Verlauf des Jahres 1965 ging man zu einem verchromten Kettenschutz aus Stahlblech über. Zudem wurde in den ersten Produktionswochen ein Gepäckträger in "Schwedenform" verwendet. Noch vor Juni 1964 vollzog man die Umstellung auf jene Gepäckträger, die am Stegrohr zwischen den Kettenstreben befestigt werden konnten. Spätestens ab Mitte 1966 waren die Gepäckträger dann verchromt statt in Rahmenfarbe lackiert. Ebenfalls bis spätestens Mitte 1966 hatte man auch die Form der Schutzbleche überarbeitet, sie besaßen nunmehr rot ausgelegte Sicken (bisher ohne Sicken, aber mit roter Linierung). Anfang der 1970er Jahre wurden die breiten Felgen durch deutlich schmalere mit fünfflächigem Profil ersetzt. Etwa zur selben Zeit wurde der Gesundheitslenker durch eine schmalere, aber ähnlich geformte Ausführung mit Kunststoffmanschette ersetzt. Eine Angleichung an die Tourensporträder von Mifa fand 1973 statt, indem das Stegrohr zwischen den Kettenstreben durch eine einfachere Stegplatte ersetzt wurde. Zuletzt wurde auch das Kettenblatt geändert.

Lackierung und Rahmendekor

Analog der einfacheren Ausführung besaß auch das Modell 35 156 eine Zweifarb-Lackierung, wobei der Bereich des Steuerkopfes weiß, der übrige Rahmen hingegen farbig gehalten war. Auch das Rahmendekor war identisch, es wurde im Verlauf des Jahre 1964 und 1965 jeweils zweimal überarbeitet, danach blieb es die übrige Bauzeit hinweg unverändert. Anders als das Modell 35 154 hatte die hier beschriebene Ausführung eine metallic-Lackierung. Details zu den bei Diamant verwendeten Rahmendekoren sind hier zu finden.

Galerie

Anlötteile am Rahmen

Verwendungszweck Bemerkungen
Halterung für Luftpumpe am Sattelrohr
Halterung für Dynamo am Hinterbau
Halterung für Kettenschutz

Technische Merkmale