Tipps zu Tretlagern / Getrieben: Unterschied zwischen den Versionen

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Alternativ kann auch eine Methode ohne Abzieher angewendet werden. Hierzu wird nach Schritt 3 der Fahrradrahmen in einen Schraubstock eingespannt, die linke Tretkurbel kräftig mit einem Gasbrenner erhitzt und mit einem kräftigen Hammerschlag (Hammer mindestens 1 kg, besser noch schwerer) auf einen kräftigen Metallstift, der möglichst nah am Fuße des Tretkurbel angesetzt ist, abgeschlagen. In der Regel funktioniert dies ohne Beschädigung des Materials, von dessen Belastung durch die große Hitze abgesehen. Das Risiko bei dieser Methode ist, dass ein eventueller Fehlschlag mit dem Hammer entweder das Fahrrad beschädigen oder die Hand stark verletzen kann. Es empfiehlt sich daher, die Methode an einem nicht mehr gebrauchsfähigen Fahrrad zu proben, um am eigentlichen Werkstück dann zielsicher im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten zu können.
Alternativ kann auch eine Methode ohne Abzieher angewendet werden. Hierzu wird nach Schritt 3 der Fahrradrahmen in einen Schraubstock eingespannt, die linke Tretkurbel sehr kräftig mit einem Gasbrenner erhitzt und mit einem kräftigen Hammerschlag (Hammer mindestens 1 kg, besser noch schwerer) auf einen kräftigen Metallstift, der möglichst nah am Fuße des Tretkurbel angesetzt ist, abgeschlagen. In der Regel funktioniert dies ohne Beschädigung des Materials, von dessen Belastung durch die große Hitze abgesehen. Das Risiko bei dieser Methode ist, dass ein eventueller Fehlschlag mit dem Hammer entweder das Fahrrad beschädigen oder die Hand stark verletzen kann. Es empfiehlt sich daher, die Methode an einem nicht mehr gebrauchsfähigen Fahrrad zu proben, um am eigentlichen Werkstück dann zielsicher im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten zu können.


==Glockengetriebe montieren==
==Glockengetriebe montieren==

Version vom 4. April 2026, 15:18 Uhr

Glockengetriebe demontieren und warten

Ein Glockentretlager zu demontieren ist eine der risikoreichsten Arbeiten, die ein Fahrrad bieten kann. Die Gefahr, schwer zu beschaffende Fahrradteile zu beschädigen, ist im Vergleich zu anderen Arbeiten hoch, weshalb ein Glockengetriebe nur geöffnet werden sollte, wenn dies unbedingt nötig ist.
Hinreichende Gründe können dabei ein übermäßiges Spiel des Lagers oder eine hörbare Verunreinigung der Kugellager sein, wenn das Fahrrad beispielsweise viel in sandiger Umgebung gefahren wurde.
Wenn die Lager einfach nur "trocken", das heißt ungeschmiert sind, empfiehlt es sich zunächst sogenanntes Getriebefließfett mit einer Spritze samt Kanüle über den Öler des Lagers zuzuführen, sofern ein solcher vorhanden ist.
Bringt das keine Verbesserung oder ist wegen des Fehlens eines Ölers nicht möglich, so kann das Innenlager nach folgender Anleitung zerlegt werden:




Alternativ kann auch eine Methode ohne Abzieher angewendet werden. Hierzu wird nach Schritt 3 der Fahrradrahmen in einen Schraubstock eingespannt, die linke Tretkurbel sehr kräftig mit einem Gasbrenner erhitzt und mit einem kräftigen Hammerschlag (Hammer mindestens 1 kg, besser noch schwerer) auf einen kräftigen Metallstift, der möglichst nah am Fuße des Tretkurbel angesetzt ist, abgeschlagen. In der Regel funktioniert dies ohne Beschädigung des Materials, von dessen Belastung durch die große Hitze abgesehen. Das Risiko bei dieser Methode ist, dass ein eventueller Fehlschlag mit dem Hammer entweder das Fahrrad beschädigen oder die Hand stark verletzen kann. Es empfiehlt sich daher, die Methode an einem nicht mehr gebrauchsfähigen Fahrrad zu proben, um am eigentlichen Werkstück dann zielsicher im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten zu können.

Glockengetriebe montieren

Alle Lagerteile werden gründlich mit Petroleum gereinigt, getrocknet und in umgekehrter Reihenfolge mit reichlich Fett (Vorratsschmierung) wieder eingebaut.

Keilgetriebe demontieren

Anlass für die Demontage

Für Wartungszwecke muss das Lager demontiert werden, um es abzuschmieren. Dies ist bei BSA-Getrieben nur in großen Abständen erforderlich, um altes verharztes Fett zu ersetzen. Beim Thompson-Getriebe hingegen empfiehlt sich bei regelmäßiger Nutzung des Fahrrads ein jährliches Abschmieren, weil es relativ schlecht vor Schmutz und Nässe geschützt ist.

Soll lediglich das Lagerspiel nachgestellt werden, kann dies anders als bei Glockengetrieben auch bei montierten Tretkurbeln erfolgen. Ein scheinbar unerklärlich schwergängiger Tritt eines Fahrrads kann mit zu geringem Lagerspiel des Tretlagers zusammenhängen. Ein zu großes Lagerspiel wiederum führt zu wackelnden Pedalen, erhöht ebenfalls den Verschleiß und provoziert ein Schleifen des Kettenschutzes oder sogar ein Abspringen der Kette. Intakte Tretlager lassen sich so justieren, dass ein leichtgängiger Lauf ohne merkliches Spiel möglich ist. Nach größerer Nutzungsdauer lässt sich dieses Optimum mitunter nicht mehr einstellen. In dem Fall ist als Kompromiss ein leicht erhöhtes Lagerspiel in Kauf zu nehmen oder die Achse (seltener auch der Kugelkäfig/Kugeln und die Lagerschalen) muss erneuert werden.

Machen sich beim Fahren knirschende Geräusche im Tretlager bemerkbar, ist meist der Kugelkäfig oder sogar eine der Kugeln zerbrochen. Dies tritt in der Praxis meist durch Schmutz, Rost oder falsches Lagerspiel auf. Deshalb nützt Fahrrädern mit Thompson-Getriebe der vergleichsweise große und damit stärker belastbare Kugelkäfig nichts, weil er durch die genannten Einwirkungen dennoch schneller beschädigt wird als der kleinere Kugelkäfig des BSA-Getriebes.

Während Glockengetriebe stets eine feste Verbindung von Achswelle und Tretkurbel haben, kann es bei Keilgetrieben vorkommen, dass eine Demontage erforderlich wird, weil die Tretkurbel trotz angezogener Keilmutter nicht fest sitzt und die Kraft ungleichmäßig überträgt. Insbesondere bei Fahrrädern der 1970er/80er Jahre kommt das aufgrund mangelhafter Materialqualität häufiger vor. Mit etwas Glück ist lediglich der Keil deformiert. Andernfalls ist die Achsnut für den Keil beschädigt, sodass das Tretlager komplett zerlegt und die Achswelle getauscht werden muss.

Weitere Gründe für eine Demontage können ein beschädigtes Kettenblatt oder eine verbogene Achswelle sein.

Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren

Das Demontieren von Tretkurbeln mit Keilbefestigung ist anders als beim Glockengetriebe relativ leicht zu bewerkstelligen. Um Schäden am Material vorzubeugen empfiehlt es sich aber, so sorgsam vorzugehen, wie es im folgenden beschrieben ist:


Bei stark beanspruchten Fahrrädern mit minderwertigen Keilen kann es vorkommen, dass der Keil so stark deformiert wurde, dass ein Herausschlagen auch mit viel Kraft nicht möglich ist. In dem Fall bleibt nichts anderes übrig, als von einer Demontage abzusehen oder aber die Achse mitsamt der Tretkurbel mit einem Winkelschleifer zu durchtrennen, was aufgrund des festen Achsmaterials und der ungünstigen Platzverhältnisse herausfordernd werden kann.

BSA-Tretlager ausbauen und warten

Für den Ausbau eines BSA-Innenlagers müssen zunächst die Kurbeln demontiert werden, was in Punkt 3.2 beschrieben ist.




Thompson-Tretlager ausbauen und warten

Für den Ausbau eines Thompson-Innenlagers muss zunächst die linke Tretkurbel demontiert werden, was in Punkt 3.2 beschrieben ist.




Keilgetriebe montieren

Die Montage ergibt sich in logischer Folge aus der beschriebenen Demontage.

Keiltretlager-Fahrräder hatten ab 1974 generell Tretkurbeln mit einem breiteren Fuß. Offenbar sollte damit einem Verziehen der Tretkurbeln vorgebeugt werden, was bei der früheren schlanken Ausführung nicht selten vorkam. Die Folge ist, dass Tretkurbeln und Kettenblätter späterer Ausführung nicht mit älteren Achsen kompatibel sind. Wohl aber können Tretkurbeln von Fahrrädern mit Thomposon-Tretlager auch an Fahrräder mit BSA-Tretlager angebaut werden (oder umgekehrt), dahingehend bestehen hinsichtlich der Tretkurbeln keine Unterschiede.

Tretkurbeln mit Keilbefestigung montieren

Zur Montage wird die Kurbel auf die Welle geschoben und der Keil so eingesteckt, dass dessen gewindelose Seite bei in Fahrtrichtung stehender Pedale nach oben zeigt. Bei nicht verschlissenen Achsnuten und Verwendung von intakten Keilen aus DDR-Produktion fluchten die Tretkurbeln dabei in einer Linie. Andernfalls müssen andere Keile ausprobiert oder die Achswelle erneuert werden. Die Keile und Achsnuten sollten frei von Deformationen sein. Ob darauffolgend der Keil fest eingeschlagen oder nur mit Fingerkraft eingedrückt und anschließend mittels der Mutter festgezogen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. In jedem Fall ist die Mutter nach einer Probefahrt mit festem Antritt und ggf. kräftiger Betätigung des Rücktritts noch einmal nachzuziehen.

Als Keile sollten am besten die Originalkeile wiederverwendet oder alte Keile aus den 1950er/60er Jahren mit Muttern der SW 12 oder 11 auch an Fahrrädern jüngeren Datums verwendet werden. Diese sind wesentlich haltbarer. Vermutlich waren sie aus härterem Material gefertigt. Geradezu unbrauchbar sind verzinkte Keile aus Nachwende-Produktion. Siehe dazu auch Hier.

Sollte die Tretkurbel trotz Festziehens des Keils beim Treten wackeln oder die Kraft ungleichmäßig übertragen, kann - wenn passende Ersatzteile nicht greifbar sein sollten - durch Einlegen eines Stück weichen Blechs (Messing etc.) zwischen Keil und Achsnut die Tretkurbel notdürftig fixiert werden. Eine dauerhaft kraftschlüssige Verbindung lässt sich auf diese Weise erfahrungsgemäß jedoch nur selten erreichen.

Bei BSA-Getrieben ist darauf zu achten, dass der relativ große, dünne Sicherungsring nicht verzogen oder schwergängig ist, andernfalls kann er seine Funktion, als harte Feder wirkend die Lagerschale zu fixieren, nicht mehr wirksam erfüllen und das Lager wird sich alsbald lockern.