Tipps zu Tretlagern / Getrieben: Unterschied zwischen den Versionen

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==Glockengetriebe demontieren und warten==
==Glockengetriebe demontieren und warten==


Ein Glockentretlager zu demontieren ist eine der aufwendigsten Arbeiten, die ein Fahrrad bieten kann. Das Risiko, schwer zu beschaffende Fahrradteile zu beschädigen, ist im Vergleich zu anderen Arbeiten sehr hoch, weshalb ein [[Tretlager|Glockengetriebe]] nur geöffnet werden sollte, wenn dies unbedingt nötig ist.<br>
Ein Glockentretlager zu demontieren ist eine der risikoreichsten Arbeiten, die ein Fahrrad bieten kann. Die Gefahr, schwer zu beschaffende Fahrradteile zu beschädigen, ist im Vergleich zu anderen Arbeiten hoch, weshalb ein [[Tretlager|Glockengetriebe]] nur geöffnet werden sollte, wenn dies unbedingt nötig ist.<br>
Hinreichende Gründe können dabei ein übermäßiges Spiel des Lagers oder eine hörbare Verunreinigung der Kugellager sein, wenn das Fahrrad beispielsweise viel in sandiger Umgebung gefahren wurde.<br>
Hinreichende Gründe können dabei ein übermäßiges Spiel des Lagers oder eine hörbare Verunreinigung der Kugellager sein, wenn das Fahrrad beispielsweise viel in sandiger Umgebung gefahren wurde.<br>
Wenn die Lager einfach nur "trocken", das heißt ungeschmiert sind, empfiehlt es sich zunächst sogenanntes Getriebefließfett mit einer Spritze samt Kanüle über den [[Öler]] des Lagers zuzuführen, sofern ein solcher vorhanden ist.<br>
Wenn die Lager einfach nur "trocken", das heißt ungeschmiert sind, empfiehlt es sich zunächst sogenanntes Getriebefließfett mit einer Spritze samt Kanüle über den [[Öler]] des Lagers zuzuführen, sofern ein solcher vorhanden ist.<br>
Bringt das keine Verbesserung oder ist wegen des Fehlens eines [[Öler]]s nicht möglich, so kann das Innenlager nach folgender Anleitung zerlegt werden. Anschließend werden alle Lagerteile gründlich mit Petroleum gereinigt, getrocknet und in umgekehrter Reihenfolge mit reichlich Fett (Vorratsschmierung) wieder eingebaut.
Bringt das keine Verbesserung oder ist wegen des Fehlens eines [[Öler]]s nicht möglich, so kann das Innenlager nach folgender Anleitung zerlegt werden:




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Datei:Glockengetriebe-8-Konus.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''8. Lösen des Konus' '''</p></center>Der Konus sitzt nun relativ lose auf der Welle und kann mit einem einfachen Stirnlochschlüssel abgeschraubt werden.<br><span style="color:brown">Achtung: Der Konus besitzt ein Linksgewinde und muss zum Lösen im Uhrzeigersinn gedreht werden!</span><br>Danach kann die rechte Kurbel samt Lager nach rechts aus dem Rahmen gezogen werden.
Datei:Glockengetriebe-8-Konus.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''8. Lösen des Konus' '''</p></center>Der Konus sitzt nun relativ lose auf der Welle und kann mit einem einfachen Stirnlochschlüssel abgeschraubt werden.<br><span style="color:brown">Achtung: Der Konus besitzt ein Linksgewinde und muss zum Lösen im Uhrzeigersinn gedreht werden!</span><br>Danach kann die rechte Kurbel samt Lager nach rechts aus dem Rahmen gezogen werden.
Datei:Glockengetriebe-9-Übersicht.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''9. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>Das Bild zeigt die Teile in der Reihenfolge, in der sie demontiert wurden:<br>1 - Sicherungsmutter der Kurbel; 2 - linke Kurbel; 3 - Sicherungsmutter des Konus'; 4 - Nasenscheibe (Verdrehsicherung); 5 - linker Konus; 6 - linker Kugelring; 7 - Einheit aus rechter Kurbel mit Kettenblatt, Tretlagerwelle und rechtem Konus samt Kugelring
Datei:Glockengetriebe-9-Übersicht.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''9. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>Das Bild zeigt die Teile in der Reihenfolge, in der sie demontiert wurden:<br>1 - Sicherungsmutter der Kurbel; 2 - linke Kurbel; 3 - Sicherungsmutter des Konus'; 4 - Nasenscheibe (Verdrehsicherung); 5 - linker Konus; 6 - linker Kugelring; 7 - Einheit aus rechter Kurbel mit Kettenblatt, Tretlagerwelle und rechtem Konus samt Kugelring
Datei:Glockengetriebe-10-Öler+Hülse.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''10. Ausbau von Öler und Hülse'''</p></center>Wenn die im [[Rahmen]] befestigten Lagerschalen verschlissen sind, können diese ebenfalls ausgebaut und gewechselt werden. Dafür muss bei älteren Rahmen zunächst der [[Öler]] (1) und die Hülse (2) zwischen den Lagerschalen entfernt werden.
Datei:Glockengetriebe-10-Öler+Hülse.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''10. Ausbau von Öler und Hülse'''</p></center>Wenn die im [[Fahrradrahmen|Rahmen]] befestigten Lagerschalen verschlissen sind, können diese ebenfalls ausgebaut und gewechselt werden. Dafür muss bei älteren Rahmen zunächst der [[Öler]] (1) und die Hülse (2) zwischen den Lagerschalen entfernt werden.
Datei:Glockengetriebe-11-Lagerschalen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''11. Ausbau der Lagerschalen'''</p></center>Zum Ausbau der Lagerschalen kann ausnahmsweise rohe Gewalt angewendet werden, da sie aus ihrer Presspassung im Rahmen getrieben werden müssen. Hierzu wird ein dicker Messingbolzen durch die erste Lager- schale gesteckt und leicht schräg gestellt, sodass er an der Innenseite der anderen Lagerschale anliegt. Dann kann diese mit einigen kräftigen Schlägen (min. 500g Hammer) ausgetrieben werden. Die Schlagrichtung sollte dabei immer wieder variiert werden, um die Schale ringsum gleichmäßig zu lösen.
Datei:Glockengetriebe-11-Lagerschalen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''11. Ausbau der Lagerschalen'''</p></center>Zum Ausbau der Lagerschalen kann ausnahmsweise rohe Gewalt angewendet werden, da sie aus ihrer Presspassung im Rahmen getrieben werden müssen. Hierzu wird ein dicker Messingbolzen durch die erste Lager- schale gesteckt und leicht schräg gestellt, sodass er an der Innenseite der anderen Lagerschale anliegt. Dann kann diese mit einigen kräftigen Schlägen (min. 500g Hammer) ausgetrieben werden. Die Schlagrichtung sollte dabei immer wieder variiert werden, um die Schale ringsum gleichmäßig zu lösen.
Datei:Glockengetriebe-12-Übersicht-Lager.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''12. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>Das Bild zeigt die Teile in der Reihenfolge, in der sie demontiert wurden:<br>1 - Öler mit Röhrchen; 2 - Hülse; 3 - rechte Lagerschale; 4 - linke Lagerschale
Datei:Glockengetriebe-12-Übersicht-Lager.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''12. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>Das Bild zeigt die Teile in der Reihenfolge, in der sie demontiert wurden:<br>1 - Öler mit Röhrchen; 2 - Hülse; 3 - rechte Lagerschale; 4 - linke Lagerschale
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Alternativ kann auch eine Methode ohne Abzieher angewendet werden. Hierzu wird nach Schritt 3 der Fahrradrahmen in einen Schraubstock eingespannt, die linke Tretkurbel sehr kräftig mit einem Gasbrenner erhitzt und mit einem kräftigen Hammerschlag (Hammer mindestens 1 kg, besser noch schwerer) auf einen kräftigen Metallstift, der möglichst nah am Fuße des Tretkurbel angesetzt ist, abgeschlagen. In der Regel funktioniert dies ohne Beschädigung des Materials, von dessen Belastung durch die große Hitze abgesehen. Das Risiko bei dieser Methode ist, dass ein eventueller Fehlschlag mit dem Hammer entweder das Fahrrad beschädigen oder die Hand stark verletzen kann. Es empfiehlt sich daher, die Methode an einem nicht mehr gebrauchsfähigen Fahrrad zu proben, um am eigentlichen Werkstück dann zielsicher im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten zu können.
==Glockengetriebe montieren==
==Glockengetriebe montieren==
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Alle Lagerteile werden gründlich mit Petroleum gereinigt, getrocknet und in umgekehrter Reihenfolge mit reichlich Fett (Vorratsschmierung) wieder eingebaut.
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==Keilgetriebe demontieren==
==Keilgetriebe demontieren==
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=== Anlass für die Demontage ===
Für Wartungszwecke muss das Lager demontiert werden, um es abzuschmieren. Dies ist bei BSA-Getrieben nur in großen Abständen erforderlich, um altes verharztes Fett zu ersetzen. Beim Thompson-Getriebe hingegen empfiehlt sich bei regelmäßiger Nutzung des Fahrrads ein jährliches Abschmieren, weil es relativ schlecht vor Schmutz und Nässe geschützt ist.
 
Soll lediglich das Lagerspiel nachgestellt werden, kann dies anders als bei Glockengetrieben auch bei montierten Tretkurbeln erfolgen. Ein scheinbar unerklärlich schwergängiger Tritt eines Fahrrads kann mit zu geringem Lagerspiel des Tretlagers zusammenhängen. Ein zu großes Lagerspiel wiederum führt zu wackelnden Pedalen, erhöht ebenfalls den Verschleiß und provoziert ein Schleifen des Kettenschutzes oder sogar ein Abspringen der Kette. Intakte Tretlager lassen sich so justieren, dass ein leichtgängiger Lauf ohne merkliches Spiel möglich ist. Nach größerer Nutzungsdauer lässt sich dieses Optimum mitunter nicht mehr einstellen. In dem Fall ist als Kompromiss ein leicht erhöhtes Lagerspiel in Kauf zu nehmen oder die Achse (seltener auch der Kugelkäfig/Kugeln und die Lagerschalen) muss erneuert werden.
 
Machen sich beim Fahren knirschende Geräusche im Tretlager bemerkbar, ist meist der Kugelkäfig oder sogar eine der Kugeln zerbrochen. Dies tritt in der Praxis meist durch Schmutz, Rost oder falsches Lagerspiel auf. Deshalb nützt Fahrrädern mit Thompson-Getriebe der vergleichsweise große und damit stärker belastbare Kugelkäfig nichts, weil er durch die genannten Einwirkungen dennoch schneller beschädigt wird als der kleinere Kugelkäfig des BSA-Getriebes.
 
Während Glockengetriebe stets eine feste Verbindung von Achswelle und Tretkurbel haben, kann es bei Keilgetrieben vorkommen, dass eine Demontage erforderlich wird, weil die Tretkurbel trotz angezogener Keilmutter nicht fest sitzt und die Kraft ungleichmäßig überträgt. Insbesondere bei Fahrrädern der 1970er/80er Jahre kommt das aufgrund mangelhafter Materialqualität häufiger vor. Mit etwas Glück ist lediglich der Keil deformiert. Andernfalls ist die Achsnut für den Keil beschädigt, sodass das Tretlager komplett zerlegt und die Achswelle getauscht werden muss.
 
Weitere Gründe für eine Demontage können ein beschädigtes Kettenblatt oder eine verbogene Achswelle sein.
 
===Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren===
===Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren===


Das Demontieren von [[Tretkurbeln]] mit Keilbefestigung ist anders als beim Glockengetriebe relativ leicht zu bewerkstelligen, bedarf aber auch der sorgsamen Vorbereitung, um Schäden zu vermeiden.<br>
Das Demontieren von [[Tretkurbeln]] mit Keilbefestigung ist anders als beim Glockengetriebe relativ leicht zu bewerkstelligen. Um Schäden am Material vorzubeugen empfiehlt es sich aber, so sorgsam vorzugehen, wie es im folgenden beschrieben ist:  
<span style="color:brown">Wenn das Ziel nur die Wartung des Innenlagers ist, sollte beachtet werden, dass die beiden verwendeten Innenlager-Varianten unterschiedlichen Aufwand verursachen, da bei Thompson-Tretlagern nur die linke Kurbel demontiert werden muss. (siehe Schritt 8.)</span>




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Datei:Keilgetriebe-1-Werkzeug.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''1. Werkzeuge'''</p></center>Zur Demontage von Keilkurbeln sind folgende Werkzeuge erforderlich:<br>- Hammer / Fäustel (min. 1kg)<br>- massiver Aluminium- oder Messingbolzen<br>- Rollgabelschlüssel o.ä.<br>- eventuell Rostlöser / Kriechöl
Datei:Keilgetriebe-1-Werkzeug.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''1. Werkzeuge'''</p></center>Zur Demontage von Keilkurbeln sind folgende Werkzeuge erforderlich:<br>- Hammer / Fäustel (min. 1kg)<br>- massiver Aluminium- oder Messingbolzen<br>- Rollgabelschlüssel o.ä.<br>- eventuell Rostlöser / Kriechöl
Datei:Keilgetriebe-2-Holzstütze.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''2. Holzstütze'''</p></center>Desweiteren wird ein solides und etwa 1m langes Brett benötigt, in dessen Stirnseite eine Bohrung mit 10mm Durchmesser und etwa 15mm Tiefe eingebracht wurde. Dieses Brett dient als Auflage für die Kurbel und fängt später die Schlagenergie ab, wodurch eine Beschädigung der Lagerflächen des Innenlagers vermieden wird.
Datei:Keilgetriebe-2-Holzstütze.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''2. Holzstütze'''</p></center>Desweiteren wird ein solides und etwa 1m langes Brett benötigt, in dessen Stirnseite eine Bohrung mit 10mm Durchmesser und etwa 15mm Tiefe eingebracht wurde. Dieses Brett dient als Auflage für die Kurbel und fängt später die Schlagenergie ab, wodurch eine Beschädigung der Lagerflächen des Innenlagers vermieden wird.
Datei:Keilgetriebe-3-Rahmen-montiert.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''3. Vorbereitung'''</p></center>In die zuvor erwähnte Bohrung wird der aus der linken Kurbel ragende Kopf des Kurbelkeils gesteckt und der nach unten hängende Rahmen am Brett fixiert. Hilfreich und lackschonend ist hierbei ein alter Fahrradschlauch; am Steuerkopf sollte eine weiche Zwischenlage verwendet werden.<br>Wie im Bild zu sehen, wird diese Arbeit erheblich vereinfacht, wenn zuvor sämtliche Anbauteile vom Rahmen entfernt werden.
Datei:Keilgetriebe-3-Rahmen-montiert.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''3. Vorbereitung'''</p></center>In die zuvor erwähnte Bohrung wird der aus der linken Kurbel ragende Kopf des [[Kurbelkeile|Kurbelkeil]]s gesteckt und der nach unten hängende Rahmen am Brett fixiert. Hilfreich und lackschonend ist hierbei ein alter Fahrradschlauch; am Steuerkopf sollte eine weiche Zwischenlage verwendet werden.<br>Wie im Bild zu sehen, wird diese Arbeit erheblich vereinfacht, wenn zuvor sämtliche Anbauteile vom Rahmen entfernt werden.
Datei:Keilgetriebe-4-Kurbelauflage.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''4. Kurbelauflage'''</p></center>Wichtig ist, dass die Kurbel an der Stirnseite des Bretts möglichst plan aufliegt (gehalten durch das Eigengewicht und den Kopf des Kurbelkeils). Das ist bei fast allen [[Kurbeln]] problemlos möglich; eine Ausnahme bildet aber die rechte Kurbel bei Rennrädern. Dort müssen am Brett entsprechende Aussparungen geschaffen werden, damit die Kurbel möglichst großflächig aufliegt.
Datei:Keilgetriebe-4-Kurbelauflage.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''4. Kurbelauflage'''</p></center>Wichtig ist, dass die Kurbel an der Stirnseite des Bretts möglichst plan aufliegt (gehalten durch das Eigengewicht und den Kopf des [[Kurbelkeile|Kurbelkeil]]s). Das ist bei fast allen [[Tretkurbeln|Kurbeln]] problemlos möglich; eine Ausnahme bildet aber die rechte Kurbel bei Rennrädern. Dort müssen am Brett entsprechende Aussparungen geschaffen werden, damit die Kurbel möglichst großflächig aufliegt.
Datei:Keilgetriebe-5-Rostlöser.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''5. Rostlöser'''</p></center>Anschließend wird die Sicherungsmutter und die darunterliegende Scheibe des Kurbelkeils entfernt und in den so geöffneten Spalt etwas Rostlöser eingebracht. Ob dieser letztlich entscheidend beim Lösen der Keilverbindung hilft, darf bezweifelt werden, doch schädlich ist er keinesfalls.
Datei:Keilgetriebe-5-Rostlöser.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''5. Rostlöser'''</p></center>Anschließend wird die Sicherungsmutter und die darunterliegende Scheibe des [[Kurbelkeile|Kurbelkeil]]s entfernt und in den so geöffneten Spalt etwas Rostlöser eingebracht. Ob dieser letztlich entscheidend beim Lösen der Keilverbindung hilft, darf bezweifelt werden, doch schädlich ist er keinesfalls.
Datei:Keilgetriebe-6-Mutter-aufsetzen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''6. Mutter aufsetzen'''</p></center>Um das Gewinde beim nachfolgenden Ausschlagen des Keils zu schützen, wird die Sicherungsmutter wieder aufgesetzt und soweit aufgeschraubt, dass sie oben mit dem Gewinde des Keils abschließt. Zwischen Mutter und Kurbel sollte dabei ein kleiner Spalt offen bleiben.
Datei:Keilgetriebe-6-Mutter-aufsetzen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''6. Mutter aufsetzen'''</p></center>Um das Gewinde beim nachfolgenden Ausschlagen des Keils zu schützen, wird die Sicherungsmutter wieder aufgesetzt und soweit aufgeschraubt, dass sie oben mit dem Gewinde des Keils abschließt. Zwischen Mutter und Kurbel sollte dabei ein kleiner Spalt offen bleiben.
Datei:Keilgetriebe-7-Keil-ausschlagen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''7. Keil ausschlagen'''</p></center>Nach Abschluss der Vorbereitungen kann der Keil ausgeschlagen werden. Dazu wird das Brett senkrecht aufgestellt (eventuell von einer zweiten Person gehalten) und der Messingbolzen auf die Sicherungsmutter gesetzt. Der Bolzen reduziert das Risiko, die Kurbel oder andere Teile durch abgerutschte Fehlschläge zu beschädigen.<br><span style="color:brown">In Abhängigkeit verschiedener Faktoren variiert die nötige Schlagenergie zum Lösen der Verbindung. Deshalb sollte zunächst "leicht" geschlagen werden und die Intensität danach langsam erhöht werden, bis der Keil nachgibt.</span>
Datei:Keilgetriebe-7-Keil-ausschlagen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''7. Keil ausschlagen'''</p></center>Nach Abschluss der Vorbereitungen kann der Keil ausgeschlagen werden. Dazu wird das Brett senkrecht aufgestellt (eventuell von einer zweiten Person gehalten) und der Messingbolzen auf die Sicherungsmutter gesetzt. Der Bolzen reduziert das Risiko, die Kurbel oder andere Teile durch abgerutschte Fehlschläge zu beschädigen.<br><span style="color:brown">In Abhängigkeit verschiedener Faktoren variiert die nötige Schlagenergie zum Lösen der Verbindung. Deshalb sollte zunächst "leicht" geschlagen werden und die Intensität danach langsam erhöht werden, bis der Keil nachgibt.</span>
Datei:Keilgetriebe-8-Kurbel-demontiert.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''8. Kurbel demontiert'''</p></center>Wenn der Keil aus seinem Presssitz gelöst wurde, sollte er sich nach Entfernen der Sicherungsmutter leicht aus der Kurbel ziehen lassen. Bei korrodierten Keilen muss ggf. auch noch mit einem Durchschlag nachgeholfen werden.<br>Im unteren Bild: Die demontierte linke Kurbel, der Kurbelkeil und die Planfläche der Tretlagerwelle.<br><span style="color:brown">Bei Thompson-Lagern kann an dieser Stelle bereits das Innenlager ausgebaut werden (siehe Punkt 3.3)</span>
Datei:Keilgetriebe-8-Kurbel-demontiert.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''8. Kurbel demontiert'''</p></center>Wenn der Keil aus seinem Presssitz gelöst wurde, sollte er sich nach Entfernen der Sicherungsmutter leicht aus der Kurbel ziehen lassen. Bei korrodierten Keilen muss ggf. auch noch mit einem Durchschlag nachgeholfen werden.<br>Im unteren Bild: Die demontierte linke Kurbel, der [[Kurbelkeile|Kurbelkeil]] und die Planfläche der Tretlagerwelle.<br><span style="color:brown">Bei Thompson-Lagern kann an dieser Stelle bereits das Innenlager ausgebaut werden (siehe Punkt 3.3)</span>
Datei:Keilgetriebe-9-Welle-fassen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''9. Rechte Kurbel demontieren'''</p></center>Bei BSA-Lagern müssen dagegen beide Kurbeln entfernt werden, um das Lager vollständig warten zu können. Dazu wird die rechte Kurbel nach dem gleichen Verfahren gelöst.<br>Sollte sich die Kurbel nach Entfernen des Keils nicht einfach von der Welle abnehmen lassen, kann die Welle mit dem Rollgabelschlüssel an der Planfläche der anderen Seite gehalten werden und die Kurbel so abgedreht werden. <span style="color:brown">Keinesfalls sollte mit Zangen o.ä. an der Welle gearbeitet werden, weil durch Zangenabdrücke und Grate die präzise Passung zwischen Welle und Kurbel beschädigt werden könnte.</span>
Datei:Keilgetriebe-9-Welle-fassen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''9. Rechte Kurbel demontieren'''</p></center>Bei BSA-Lagern müssen dagegen beide Kurbeln entfernt werden, um das Lager vollständig warten zu können. Dazu wird die rechte Kurbel nach dem gleichen Verfahren gelöst.<br>Sollte sich die Kurbel nach Entfernen des Keils nicht einfach von der Welle abnehmen lassen, kann die Welle mit dem Rollgabelschlüssel an der Planfläche der anderen Seite gehalten werden und die Kurbel so abgedreht werden. <span style="color:brown">Keinesfalls sollte mit Zangen o.ä. an der Welle gearbeitet werden, weil durch Zangenabdrücke und Grate die präzise Passung zwischen Welle und Kurbel beschädigt werden könnte.</span>
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Die Montage von Keilkurbeln erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie der Ausbau. Das heißt, die Kurbel wird auf die Welle geschoben und der Keil eingesteckt. Anschließend wird die Kurbel wieder abgestützt und der Keil nach dem in Schritt 7. beschrieben Verfahren fest eingeschlagen. Danach wird die Sicherungsmutter samt Unterlegscheibe aufgeschraubt.<br><span style="color:brown">Achtung: Die Sicherungsmutter ist nur eine Verlustsicherung für den Fall, dass sich der Keil einmal lösen sollte und ist nicht dazu vorgesehen um die Keilverbindung festzuziehen! Deshalb muss der Keil auch vorher fest eingeschlagen werden.</span><br>Bei den Keilen sollten am besten die Originalkeile wiederverwendet werden oder auf hochwertige Teile (verchromt) aus Altbeständen zurückgegriffen werden. Verzinkte Kurbelkeile aus moderner Produktion sind meist aus einem sehr weichen Stahl hergestellt und lösen sich nach allgemeiner Erfahrung schon nach wenigen Kilometern.<br><span style="color:brown">Desweiteren sollte darauf geachtet werden, dass die Winkel der Keile zueinanderpassen, damit die Kurbeln im montierten Zustand in einer Linie stehen / fluchten. Dies lässt sich im Allgemeinen nur durch Probieren herausfinden. (Kurbeln aufsetzen und Keile leicht einpressen)</span>
<span style="color:brown">Bei stark beanspruchten Fahrrädern mit minderwertigen Keilen kann es vorkommen, dass der Keil so stark deformiert wurde, dass ein Herausschlagen auch mit viel Kraft nicht möglich ist. In dem Fall bleibt nichts anderes übrig, als von einer Demontage abzusehen oder aber die Achse mitsamt der Tretkurbel mit einem Winkelschleifer zu durchtrennen, was aufgrund des festen Achsmaterials und der ungünstigen Platzverhältnisse herausfordernd werden kann.</span>
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===BSA-Tretlager ausbauen und warten===
===BSA-Tretlager ausbauen und warten===


Für den Ausbau eines BSA-Innenlagers müssen zunächst die Kurbeln demontiert werden, was in [[#Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren|Punkt 3.1]] beschrieben ist.
Für den Ausbau eines BSA-Innenlagers müssen zunächst die Kurbeln demontiert werden, was in [[#Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren|Punkt 3.2]] beschrieben ist.




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===Thompson-Tretlager ausbauen und warten===
===Thompson-Tretlager ausbauen und warten===


Für den Ausbau eines Thompson-Innenlagers muss zunächst die linke Tretkurbel demontiert werden, was in [[#Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren|Punkt 3.1]] beschrieben ist.
Für den Ausbau eines Thompson-Innenlagers muss zunächst die linke Tretkurbel demontiert werden, was in [[#Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren|Punkt 3.2]] beschrieben ist.




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Datei:Thompson-Lager-2-Konus-lösen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''2. Konus lösen'''</p></center>Nach Entfernen des Sicherungsrings und der dahinterliegenden Nasenscheibe ist der Blick auf den linken Konus frei. Dieser sitzt relativ lose auf der Welle und kann mit Hilfe der daraufsitzenden Abdeckkappe abgeschraubt werden.<br><span style="color:brown">Achtung: Der Konus besitzt ein Linksgewinde und muss zum Lösen im Uhrzeigersinn gedreht werden!</span>
Datei:Thompson-Lager-2-Konus-lösen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''2. Konus lösen'''</p></center>Nach Entfernen des Sicherungsrings und der dahinterliegenden Nasenscheibe ist der Blick auf den linken Konus frei. Dieser sitzt relativ lose auf der Welle und kann mit Hilfe der daraufsitzenden Abdeckkappe abgeschraubt werden.<br><span style="color:brown">Achtung: Der Konus besitzt ein Linksgewinde und muss zum Lösen im Uhrzeigersinn gedreht werden!</span>
Datei:Thompson-Lager-3-Lager-geöffnet.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''3. Lager geöffnet'''</p></center>Danach liegt bereits das Kugellager frei und die Tretlagerwelle kann mitsamt der rechten Kurbel aus dem Rahmen gezogen werden.
Datei:Thompson-Lager-3-Lager-geöffnet.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''3. Lager geöffnet'''</p></center>Danach liegt bereits das Kugellager frei und die Tretlagerwelle kann mitsamt der rechten Kurbel aus dem Rahmen gezogen werden.
Datei:Thompson-Lager-4-Einzelteile.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''4. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>1 - Einheit aus rechter Kurbel, Tretlagerwelle und rechtem Konus<br>2 - linker Konus<br>3 - Abdeckkappe<br>4 - Nasenscheibe (Verdrehsicherung)<br>5 - Sicherungsring
Datei:Thompson-Lager-4-Einzelteile.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''4. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>1 - Einheit aus rechter Kurbel, Tretlagerwelle und rechtem Konus<br>2 - linker Konus<br>3 - Abdeckkappe<br>4 - Nasenscheibe (Verdrehsicherung)<br>5 - Sicherungsring. <br><span style="color:brown">Sollte die Nut für den Keil beschädigt sein (kommt häufig vor), muss die Achswelle nun in einen Schraubstock eingespannt, der verbliebene Keil entfernt, die rechte Tretkurbel ggf. mitsamt des Kettenblatts abgenommen und der Konus abgeschraubt werden. Zum Lösen des Konus' ist mitunter relativ viel Kraft erforderlich.</span>
Datei:Glockengetriebe-10-Öler+Hülse.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''5. Öler und Hülse ausbauen'''</p></center>Wenn die im [[Rahmen]] befestigten Lagerschalen verschlissen sind, können diese ebenfalls ausgebaut und gewechselt werden. Dafür muss bei älteren Rahmen zunächst der [[Öler]] (1) und die Hülse (2) zwischen den Lagerschalen entfernt werden.
Datei:Glockengetriebe-10-Öler+Hülse.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''5. Öler und Hülse ausbauen'''</p></center>Wenn die im [[Fahrradrahmen|Rahmen]] befestigten Lagerschalen verschlissen sind, können diese ebenfalls ausgebaut und gewechselt werden. Dafür muss bei älteren Rahmen zunächst der [[Öler]] (1) und die Hülse (2) zwischen den Lagerschalen entfernt werden.
Datei:Glockengetriebe-11-Lagerschalen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''6. Lagerschalen ausschlagen'''</p></center>Zum Ausbau der Lagerschalen kann ausnahmsweise rohe Gewalt angewendet werden, da sie aus ihrer Presspassung im Rahmen getrieben werden müssen. Hierzu wird ein dicker Messingbolzen durch die erste Lager- schale gesteckt und leicht schräg gestellt, sodass er an der Innenseite der anderen Lagerschale anliegt. Dann kann diese mit einigen kräftigen Schlägen (min. 500g Hammer) ausgetrieben werden. Die Schlagrichtung sollte dabei immer wieder variiert werden, um die Schale ringsum gleichmäßig zu lösen.
Datei:Glockengetriebe-11-Lagerschalen.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''6. Lagerschalen ausschlagen'''</p></center>Zum Ausbau der Lagerschalen kann ausnahmsweise rohe Gewalt angewendet werden, da sie aus ihrer Presspassung im Rahmen getrieben werden müssen. Hierzu wird ein dicker Messingbolzen durch die erste Lager- schale gesteckt und leicht schräg gestellt, sodass er an der Innenseite der anderen Lagerschale anliegt. Dann kann diese mit einigen kräftigen Schlägen (min. 500g Hammer) ausgetrieben werden. Die Schlagrichtung sollte dabei immer wieder variiert werden, um die Schale ringsum gleichmäßig zu lösen.
Datei:Glockengetriebe-12-Übersicht-Lager.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''7. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>Das Bild zeigt die Teile in der Reihenfolge, in der sie demontiert wurden:<br>1 - Öler mit Röhrchen; 2 - Hülse; 3 - rechte Lagerschale; 4 - linke Lagerschale
Datei:Glockengetriebe-12-Übersicht-Lager.jpg|<center><p style="background-color:#CCCCCC">'''7. Übersicht der ausgebauten Teile'''</p></center>Das Bild zeigt die Teile in der Reihenfolge, in der sie demontiert wurden:<br>1 - Öler mit Röhrchen; 2 - Hülse; 3 - rechte Lagerschale; 4 - linke Lagerschale
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== Keilgetriebe montieren ==
Die Montage ergibt sich in logischer Folge aus der beschriebenen Demontage.
 
<span style="color:brown">Keiltretlager-Fahrräder hatten ab 1974 generell Tretkurbeln mit einem breiteren Fuß. Offenbar sollte damit einem Verziehen der Tretkurbeln vorgebeugt werden, was bei der früheren schlanken Ausführung nicht selten vorkam. Die Folge ist, dass Tretkurbeln und Kettenblätter späterer Ausführung nicht mit älteren Achsen kompatibel sind. Wohl aber können Tretkurbeln von Fahrrädern mit Thomposon-Tretlager auch an Fahrräder mit BSA-Tretlager angebaut werden (oder umgekehrt), dahingehend bestehen hinsichtlich der Tretkurbeln keine Unterschiede.</span>
 
===Tretkurbeln mit Keilbefestigung montieren===
Zur Montage wird die Kurbel auf die Welle geschoben und der Keil so eingesteckt, dass dessen gewindelose Seite bei in Fahrtrichtung stehender Pedale nach oben zeigt. Bei nicht verschlissenen Achsnuten und Verwendung von intakten Keilen aus DDR-Produktion fluchten die Tretkurbeln dabei in einer Linie. Andernfalls müssen andere Keile ausprobiert oder die Achswelle erneuert werden. Die Keile und Achsnuten sollten frei von Deformationen sein. Ob darauffolgend der Keil fest eingeschlagen oder nur mit Fingerkraft eingedrückt und anschließend mittels der Mutter festgezogen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. In jedem Fall ist die Mutter nach einer Probefahrt mit festem Antritt und ggf. kräftiger Betätigung des Rücktritts noch einmal nachzuziehen.
 
<span style="color:brown">Als Keile sollten am besten die Originalkeile wiederverwendet oder alte Keile aus den 1950er/60er Jahren mit Muttern der SW 12 oder 11 auch an Fahrrädern jüngeren Datums verwendet werden. Diese sind wesentlich haltbarer. Vermutlich waren sie aus härterem Material gefertigt. Geradezu unbrauchbar sind verzinkte Keile aus Nachwende-Produktion. Siehe dazu auch [[Tretlager#Zur_Qualität_der_Tretlager-Keile|Hier]].</span>
 
<span style="color:brown">Sollte die Tretkurbel trotz Festziehens des Keils beim Treten wackeln oder die Kraft ungleichmäßig übertragen, kann - wenn passende Ersatzteile nicht greifbar sein sollten - durch Einlegen eines Stück weichen Blechs (Messing etc.) zwischen Keil und Achsnut die Tretkurbel notdürftig fixiert werden. Eine dauerhaft kraftschlüssige Verbindung lässt sich auf diese Weise erfahrungsgemäß jedoch nur selten erreichen.</span>
 
<span style="color:brown">Bei BSA-Getrieben ist darauf zu achten, dass die Achswelle richtig herum eingesetzt wird (das längere Ende gehört nach links) und dass der relativ große, dünne Sicherungsring nicht verzogen oder schwergängig ist, andernfalls kann er seine Funktion, als harte Feder wirkend die Lagerschale zu fixieren, nicht mehr wirksam erfüllen und das Lager wird sich alsbald lockern.</span>


[[Kategorie:Werkstatt und Restaurierung]]
[[Kategorie:Werkstatt und Restaurierung]]

Aktuelle Version vom 4. April 2026, 15:25 Uhr

Glockengetriebe demontieren und warten

Ein Glockentretlager zu demontieren ist eine der risikoreichsten Arbeiten, die ein Fahrrad bieten kann. Die Gefahr, schwer zu beschaffende Fahrradteile zu beschädigen, ist im Vergleich zu anderen Arbeiten hoch, weshalb ein Glockengetriebe nur geöffnet werden sollte, wenn dies unbedingt nötig ist.
Hinreichende Gründe können dabei ein übermäßiges Spiel des Lagers oder eine hörbare Verunreinigung der Kugellager sein, wenn das Fahrrad beispielsweise viel in sandiger Umgebung gefahren wurde.
Wenn die Lager einfach nur "trocken", das heißt ungeschmiert sind, empfiehlt es sich zunächst sogenanntes Getriebefließfett mit einer Spritze samt Kanüle über den Öler des Lagers zuzuführen, sofern ein solcher vorhanden ist.
Bringt das keine Verbesserung oder ist wegen des Fehlens eines Ölers nicht möglich, so kann das Innenlager nach folgender Anleitung zerlegt werden:




Alternativ kann auch eine Methode ohne Abzieher angewendet werden. Hierzu wird nach Schritt 3 der Fahrradrahmen in einen Schraubstock eingespannt, die linke Tretkurbel sehr kräftig mit einem Gasbrenner erhitzt und mit einem kräftigen Hammerschlag (Hammer mindestens 1 kg, besser noch schwerer) auf einen kräftigen Metallstift, der möglichst nah am Fuße des Tretkurbel angesetzt ist, abgeschlagen. In der Regel funktioniert dies ohne Beschädigung des Materials, von dessen Belastung durch die große Hitze abgesehen. Das Risiko bei dieser Methode ist, dass ein eventueller Fehlschlag mit dem Hammer entweder das Fahrrad beschädigen oder die Hand stark verletzen kann. Es empfiehlt sich daher, die Methode an einem nicht mehr gebrauchsfähigen Fahrrad zu proben, um am eigentlichen Werkstück dann zielsicher im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten zu können.

Glockengetriebe montieren

Alle Lagerteile werden gründlich mit Petroleum gereinigt, getrocknet und in umgekehrter Reihenfolge mit reichlich Fett (Vorratsschmierung) wieder eingebaut.

Keilgetriebe demontieren

Anlass für die Demontage

Für Wartungszwecke muss das Lager demontiert werden, um es abzuschmieren. Dies ist bei BSA-Getrieben nur in großen Abständen erforderlich, um altes verharztes Fett zu ersetzen. Beim Thompson-Getriebe hingegen empfiehlt sich bei regelmäßiger Nutzung des Fahrrads ein jährliches Abschmieren, weil es relativ schlecht vor Schmutz und Nässe geschützt ist.

Soll lediglich das Lagerspiel nachgestellt werden, kann dies anders als bei Glockengetrieben auch bei montierten Tretkurbeln erfolgen. Ein scheinbar unerklärlich schwergängiger Tritt eines Fahrrads kann mit zu geringem Lagerspiel des Tretlagers zusammenhängen. Ein zu großes Lagerspiel wiederum führt zu wackelnden Pedalen, erhöht ebenfalls den Verschleiß und provoziert ein Schleifen des Kettenschutzes oder sogar ein Abspringen der Kette. Intakte Tretlager lassen sich so justieren, dass ein leichtgängiger Lauf ohne merkliches Spiel möglich ist. Nach größerer Nutzungsdauer lässt sich dieses Optimum mitunter nicht mehr einstellen. In dem Fall ist als Kompromiss ein leicht erhöhtes Lagerspiel in Kauf zu nehmen oder die Achse (seltener auch der Kugelkäfig/Kugeln und die Lagerschalen) muss erneuert werden.

Machen sich beim Fahren knirschende Geräusche im Tretlager bemerkbar, ist meist der Kugelkäfig oder sogar eine der Kugeln zerbrochen. Dies tritt in der Praxis meist durch Schmutz, Rost oder falsches Lagerspiel auf. Deshalb nützt Fahrrädern mit Thompson-Getriebe der vergleichsweise große und damit stärker belastbare Kugelkäfig nichts, weil er durch die genannten Einwirkungen dennoch schneller beschädigt wird als der kleinere Kugelkäfig des BSA-Getriebes.

Während Glockengetriebe stets eine feste Verbindung von Achswelle und Tretkurbel haben, kann es bei Keilgetrieben vorkommen, dass eine Demontage erforderlich wird, weil die Tretkurbel trotz angezogener Keilmutter nicht fest sitzt und die Kraft ungleichmäßig überträgt. Insbesondere bei Fahrrädern der 1970er/80er Jahre kommt das aufgrund mangelhafter Materialqualität häufiger vor. Mit etwas Glück ist lediglich der Keil deformiert. Andernfalls ist die Achsnut für den Keil beschädigt, sodass das Tretlager komplett zerlegt und die Achswelle getauscht werden muss.

Weitere Gründe für eine Demontage können ein beschädigtes Kettenblatt oder eine verbogene Achswelle sein.

Tretkurbeln mit Keilbefestigung demontieren

Das Demontieren von Tretkurbeln mit Keilbefestigung ist anders als beim Glockengetriebe relativ leicht zu bewerkstelligen. Um Schäden am Material vorzubeugen empfiehlt es sich aber, so sorgsam vorzugehen, wie es im folgenden beschrieben ist:


Bei stark beanspruchten Fahrrädern mit minderwertigen Keilen kann es vorkommen, dass der Keil so stark deformiert wurde, dass ein Herausschlagen auch mit viel Kraft nicht möglich ist. In dem Fall bleibt nichts anderes übrig, als von einer Demontage abzusehen oder aber die Achse mitsamt der Tretkurbel mit einem Winkelschleifer zu durchtrennen, was aufgrund des festen Achsmaterials und der ungünstigen Platzverhältnisse herausfordernd werden kann.

BSA-Tretlager ausbauen und warten

Für den Ausbau eines BSA-Innenlagers müssen zunächst die Kurbeln demontiert werden, was in Punkt 3.2 beschrieben ist.




Thompson-Tretlager ausbauen und warten

Für den Ausbau eines Thompson-Innenlagers muss zunächst die linke Tretkurbel demontiert werden, was in Punkt 3.2 beschrieben ist.




Keilgetriebe montieren

Die Montage ergibt sich in logischer Folge aus der beschriebenen Demontage.

Keiltretlager-Fahrräder hatten ab 1974 generell Tretkurbeln mit einem breiteren Fuß. Offenbar sollte damit einem Verziehen der Tretkurbeln vorgebeugt werden, was bei der früheren schlanken Ausführung nicht selten vorkam. Die Folge ist, dass Tretkurbeln und Kettenblätter späterer Ausführung nicht mit älteren Achsen kompatibel sind. Wohl aber können Tretkurbeln von Fahrrädern mit Thomposon-Tretlager auch an Fahrräder mit BSA-Tretlager angebaut werden (oder umgekehrt), dahingehend bestehen hinsichtlich der Tretkurbeln keine Unterschiede.

Tretkurbeln mit Keilbefestigung montieren

Zur Montage wird die Kurbel auf die Welle geschoben und der Keil so eingesteckt, dass dessen gewindelose Seite bei in Fahrtrichtung stehender Pedale nach oben zeigt. Bei nicht verschlissenen Achsnuten und Verwendung von intakten Keilen aus DDR-Produktion fluchten die Tretkurbeln dabei in einer Linie. Andernfalls müssen andere Keile ausprobiert oder die Achswelle erneuert werden. Die Keile und Achsnuten sollten frei von Deformationen sein. Ob darauffolgend der Keil fest eingeschlagen oder nur mit Fingerkraft eingedrückt und anschließend mittels der Mutter festgezogen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. In jedem Fall ist die Mutter nach einer Probefahrt mit festem Antritt und ggf. kräftiger Betätigung des Rücktritts noch einmal nachzuziehen.

Als Keile sollten am besten die Originalkeile wiederverwendet oder alte Keile aus den 1950er/60er Jahren mit Muttern der SW 12 oder 11 auch an Fahrrädern jüngeren Datums verwendet werden. Diese sind wesentlich haltbarer. Vermutlich waren sie aus härterem Material gefertigt. Geradezu unbrauchbar sind verzinkte Keile aus Nachwende-Produktion. Siehe dazu auch Hier.

Sollte die Tretkurbel trotz Festziehens des Keils beim Treten wackeln oder die Kraft ungleichmäßig übertragen, kann - wenn passende Ersatzteile nicht greifbar sein sollten - durch Einlegen eines Stück weichen Blechs (Messing etc.) zwischen Keil und Achsnut die Tretkurbel notdürftig fixiert werden. Eine dauerhaft kraftschlüssige Verbindung lässt sich auf diese Weise erfahrungsgemäß jedoch nur selten erreichen.

Bei BSA-Getrieben ist darauf zu achten, dass die Achswelle richtig herum eingesetzt wird (das längere Ende gehört nach links) und dass der relativ große, dünne Sicherungsring nicht verzogen oder schwergängig ist, andernfalls kann er seine Funktion, als harte Feder wirkend die Lagerschale zu fixieren, nicht mehr wirksam erfüllen und das Lager wird sich alsbald lockern.